Immobilie verkaufen 2026: Ablauf, Unterlagen, Kosten und Steuern verständlich erklärt

Der Verkauf einer Immobilie unterliegt in Deutschland einem standardisierten rechtlichen und wirtschaftlichen Prozess, der in der Regel drei bis sechs Monate in Anspruch nimmt. Dieser Leitfaden behandelt alle wesentlichen Aspekte – von der Wertermittlung über die Dokumentation bis zur steuerlichen Behandlung – und basiert auf aktuellen gesetzlichen Regelungen sowie praktischen Markterkenntnissen aus 2026.
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27.01.2026
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Zusammenfassung

  • Der Verkauf einer Immobilie dauert in Deutschland typischerweise 3–6 Monate mit Makler und 9–12 Monate beim Privatverkauf.
  • Die Wertermittlung erfolgt nach ImmoWertV über Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren, wobei Bodenrichtwerte eine zentrale Rolle spielen.
  • Ein Vollgutachten kostet meist 1.500–3.500 €, während Online-Bewertungen vor allem der ersten Preisorientierung dienen.
  • Seit dem Bestellerprinzip (12/2020) teilen Käufer und Verkäufer die Provision häufig mit 3,57 % je Partei (insgesamt 7,14 %).
  • Pflichtunterlagen wie Grundbuchauszug (10–20 €) und Energieausweis (50–500 €) sind entscheidend; Verstöße können bis 15.000 € Bußgeld auslösen.
  • Spekulationssteuer fällt bei Verkauf innerhalb von 10 Jahren an (bis 45 % ESt-Satz), ist aber bei Eigennutzung nach der „2-Silvester-Regel“ häufig vermeidbar.

Immobilienbewertung: Grundlage für realistischen Verkaufspreis

Die drei Bewertungsverfahren nach ImmoWertV

Die Ermittlung des Verkehrswerts einer Immobilie regelt seit 2022 bundesweit die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Sie unterscheidet drei anerkannte Verfahren: Das Vergleichswertverfahren gilt als marktnächstes und genauestes Verfahren für Wohnungen und Einfamilienhäuser und nutzt Kaufpreise vergleichbarer Objekte als Grundlage. Das Ertragswertverfahren wird für vermietete Mehrfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien angewendet, indem Mieteinnahmen kapitalisiert werden. Das Sachwertverfahren kommt bei Spezialimmobilien zum Einsatz, wenn Vergleichsfälle fehlen, und basiert auf Bodenwert und Herstellungskosten abzüglich Abnutzung. heid-immobilienbewertung

Bei allen Verfahren spielen Bodenrichtwerte eine zentrale Rolle, die von lokalen Gutachterausschüssen kostenfrei bereitgestellt werden. heid-immobilienbewertung

Online-Bewertung versus Vollgutachten

Eine kostenlosen Online-Bewertung bietet schnelle erste Anhaltspunkte und genügt zur Orientierung beim Verkaufsstart. Ein professionelles Vollgutachten durch einen Sachverständigen kostet 1.500 bis 3.500 Euro und wird erforderlich bei Erbschaftsfällen, Scheidungsverfahren, Differenzen mit dem Finanzamt oder bei Kreditvergabe durch Banken. ksk-immobilien

  • Makrolage: Infrastrukturausstattung, ÖPNV, Arbeitsmarktregion

  • Mikrolage: Nachbarschaft, Lärmbelastung

  • Zustand der Immobilie: Renovierungsbedarf, Ausstattungsstandard

  • Baujahr und Energieeffizienzklasse

  • Nachhaltigkeitskriterien (ESG-Faktoren): Können den Immobilienwert um bis zu 25 Prozent beeinflussen (seit 2026)

bdra

Verkauf mit Makler oder Privatverkauf: Entscheidungskriterien

Das Bestellerprinzip seit 2020: Provisionsregelung

Seit 23. Dezember 2020 gilt das Bestellerprinzip, das nicht bedeutet, dass nur der Besteller zahlt, sondern dass sich Käufer und Verkäufer die Maklerprovision zu gleichen Teilen aufteilen, sofern der Makler mit beiden Parteien einen Vertrag abschließt. Die Provisionshöhe ist frei vereinbar; der Marktstandard liegt bei etwa 3,57 Prozent pro Partei, insgesamt also 7,14 Prozent des Kaufpreises. Für ein 400.000-Euro-Objekt trägt der Verkäufer damit Maklerkosten von etwa 14.280 Euro. immobilienscout24

Wirtschaftliche Vorteile des Maklers

Statistisch erzielen Immobilien mit professioneller Maklervertretung 8 bis 12 Prozent höhere Verkaufspreise und verkaufen sich 3 bis 6 Monate schneller als Privatverkäufe, die durchschnittlich 9 bis 12 Monate in Anspruch nehmen. Der Mehrerlös übertrifft in den meisten Fällen die Maklergebühr deutlich. Der Makler verantwortet professionelle Vermarktung, Bonität-Überprüfung von Interessenten und verfügt über ein breites Netzwerk von potenziellen Käufern. immobilienscout24

Privatverkauf: Kosten versus Aufwand

Ein Privatverkauf spart Provisionen (14.000 bis 30.000 Euro) erfordert jedoch etwa 80 bis 120 Stunden Eigenarbeit: Vermarktung organisieren, Besichtigungstermine koordinieren, Interessenten qualifizieren und verhandeln. Die häufigste Fehlerquelle beim Privatverkauf ist ein zu hoher Angebotspreis, der zu einer verlängerten Marktexposition und letztlich zu 8 bis 12 Prozent niedrigerem Endpreis führt. Professionelle Fotos (500 bis 1.500 Euro) und rechtliche Sicherheit beim Kaufvertrag sind auch beim Privatverkauf unverzichtbar. globihome

Verkaufsunterlagen zusammenstellen: Checkliste

Pflichtdokumente für alle Immobilien

Der Verkauf erfordert mehrere amtliche Dokumente, ohne die der Notartermin nicht stattfinden kann. Ein Grundbuchauszug (nicht älter als drei Monate) kostet 10 bis 20 Euro und wird beim Grundbuchamt oder online angefordert. Der Energieausweis ist gesetzlich verpflichtend seit 2015; ein Verstoß gegen die Vorlage wird mit Bußgeldern bis 15.000 Euro sanktioniert. Die Kosten liegen zwischen 50 und 500 Euro, je nachdem ob ein schnellerer Verbrauchsausweis (50 bis 100 Euro) oder ein ausführlicher Bedarfsausweis (300 bis 500 Euro) erforderlich ist. Weitere notwendige Unterlagen sind eine Flurkarte (30 bis 50 Euro), Grundrisse mit ausgewiesener Wohnfläche und Baupläne oder Baubeschreibung. immoeinfach

Energieausweis ab Mai 2026: Verschärfte Anforderungen

Ab Mai 2026 entstand eine neue Regelung, die den Energieausweis stärker in den Fokus rückt: Die Energieeffizienzklassen (A bis G) müssen künftig bereits in Immobilienanzeigen genannt werden, nicht erst beim Besichtigungstermin. Makler müssen den Energieausweis vorlegen – Verstöße werden mit Bußgeldern bis 10.000 Euro geahndet. Zudem ist ein kostenloses Beratungsgespräch bei Verkauf von Ein- oder Zweifamilienhäusern vorgesehen. haufe

  • Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate)

  • Energieausweis (Verbrauchs- oder Bedarfsausweis)

  • Flurkarte

  • Grundrisse mit Wohnflächenangabe

  • Baupläne oder Baubeschreibung

Spezifische Unterlagen bei Eigentumswohnungen

Für Eigentumswohnungen sind zusätzliche Dokumente erforderlich: eine Teilungserklärung (aus dem Grundbuch), Hausgeldabrechnungen und Nebenkostabrechnungen (mindestens drei Jahre), Protokolle der Eigentümerversammlungen (letzte drei Jahre) und ein Nachweis der Instandhaltungsrücklage. Diese Unterlagen dokumentieren die finanzielle Situation und Verwaltungspraxis der Wohnanlage und beeinflussen die Kaufentscheidung erheblich. immoverkauf24

Unterlagen für vermietete Objekte

Bei vermieteten Immobilien benötigen Käufer zusätzlich den Mietvertrag, eine Aufstellung aller Mieteinnahmen, die Nebenkostenabrechnung und einen Nachweis der hinterlegten Kaution, um die Rentabilität und rechtliche Situation des Objekts einzuschätzen. immoverkauf24

Realistischer Verkaufspreis: Marktanalyse und Preisstrategie

Häufigster Fehler: Angebotspreis über Marktniveau

Die häufigste Fehlerquelle beim Verkauf ist ein Angebotspreis, der 5 bis 10 Prozent über dem realistischen Marktwert liegt; dieser führt zu einer verlängerten Vermarktungszeit von etwa sechs Monaten und letztlich zu Preisrücknahmen, die den Endpreis um 8 bis 12 Prozent unter dem ursprünglichen Angebotspreis senken. Immobilien, die exakt auf Marktniveau bewertet werden, verkaufen sich 45 Prozent schneller. globihome

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    Marktanalyse durchführen

    Analysieren Sie mindestens 5 bis 10 ähnliche Objekte (gleiche Lage, Größe, Ausstattung, Baujahr), die in den letzten sechs Monaten verkauft wurden, über kostenfreie Portale wie ImmoScout24, Immowelt oder Kleinanzeigen. Die lokalen Bodenrichtwerte bei den Gutachterausschüssen liefern zusätzliche Orientierung. heid-immobilienbewertung

Psychologische Preissetzung und Verhandlungspuffer

Eine bewährte Strategie ist psychologische Preissetzung (z.B. 399.000 Euro statt 400.000 Euro) kombiniert mit einem Verhandlungspuffer von 5 bis 8 Prozent; der Verkäufer nennt bewusst einen Preis unter dem akzeptablen Minimum, was Interessenten anzieht und realistische Verhandlungen ermöglicht. Nach 2 bis 3 Wochen Marktexposition sollte ein realistischer Preis erzielt werden; eine längere Vermarktungszeit signalisiert Käufern, dass der Preis sinken wird. globihome

Exposé erstellen: Professionelle Vermarktung und Präsentation

Inhalt und Format des Exposés

Ein hochwertiges Exposé entscheidet über das Anfragevolumen und wird typischerweise von Maklern oder professionellen Agenturen erstellt. Die Textbeschreibung (150 bis 300 Wörter) sollte Objektadresse, Grundstücksfläche, Wohnfläche, Anzahl der Zimmer, Zustand (einfach/mittel/gehoben), vorhandene Nebenräume (Keller, Stellplätze, Terrasse), Heizungsart und besonders die Energieeffizienzklasse aus dem Energieausweis enthalten. Lageinformationen zu ÖPNV, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten ergänzen die Beschreibung. ksk-immobilien

  • Hochwertige Fotografien

    Mindestens 15 bis 20 professionelle Aufnahmen mit angemessener Beleuchtung, scharfem Fokus und gerader Ausrichtung. Daten aus 2025 zeigen einen 139-prozentigen Anstieg professioneller Immobilienfotos gegenüber unscharfen oder schlecht belichteten Bildern, die zu 61 Prozent weniger Anfragen führen.

  • Maßstabsgetreuer Grundriss

    Ein professionell erstellter Grundriss gehört zum Standard und ermöglicht Interessenten eine bessere Raumvorstellung.

  • 3D-Rundgang oder Video

    Diese gehören 2026 zum Standard der Vermarktung und generieren 61 Prozent mehr Ansichten. mcmakler

Online-Vermarktung und Kanäle

Die primären Vermarktungskanäle in Deutschland sind ImmoScout24 und Immowelt mit größter Reichweite, ergänzt um eBay Kleinanzeigen, Facebook und Instagram für lokale Zielgruppen. Gezielte Social-Media-Anzeigen (100 bis 500 Euro Budgetierung) erreichen qualifizierte lokale Interessenten; Anzeigen mit Storytelling-Ansatz (z.B. "Familie wächst raus aus Altstadt-Loft") generieren 22x höheres Engagement als reine Objektbeschreibungen. globihome

Home Staging: Kosten und Rentabilität

Professionelle Inszenierung für höhere Verkaufschancen

Home Staging, die professionelle Inszenierung einer Immobilie, führt zu 17 Prozent höherer Wertwahrnehmung durch Käufer und verkürzt die Verkaufsdauer um 45 Prozent. Die Gesamtinvestition für professionelle Reinigung, kleine Reparaturen und Möbel-Arrangement liegt zwischen 2.500 und 5.000 Euro; der zu erwartende Mehrerlös bewegt sich zwischen 12 und 17 Prozent. globihome

  • Gründliche Reinigung und Ordnung: K.O.-Kriterium für Kaufentscheidung

  • Optimale Beleuchtung: Alle Rollos offen, zusätzliche Lampen in dunklen Räumen

  • Harmonisches Möbel-Arrangement: Raum wirkt größer, nicht vollgestellt

  • Kleine Reparaturen: Klemmende Türen, lose Treppenstufen, kaputte Steckdosen

  • Neutrale Farbgebung

Wichtig: Die ersten 30 Sekunden bei einer Besichtigung prägen den Eindruck entscheidend, weshalb Sauberkeit und Ordnung absoluten Vorrang haben. westwing

Besichtigungen professionell durchführen

Vorbereitung und Ambiente

Vor jedem Besichtigungstermin sollten Sie die Immobilie erneut gründlich reinigen, optimale Raumtemperatur (20 bis 22 Grad Celsius) einstellen und subtile Raumatmosphäre (z.B. Kaffeearoma, nicht Parfum) schaffen. Ein aktuelles ausgedrucktes Exposé, ein Stift und Kontaktkarten sollten bereit liegen. Die Beleuchtung aller Räume muss eingeschaltet und Fenster sollten geöffnet sein. engelvoelkers

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    Zeitrahmen planen

    Für jeden Interessenten planen Sie 30 bis 45 Minuten ein – nicht zu kurz, nicht zu lang.

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    Strategische Reihenfolge einhalten

    Zunächst Hauptbereiche (Küche, Wohnzimmer) zeigen, dann Schlafzimmer und Bad, abschließend Garten oder weniger prominente Bereiche. Diese Reihenfolge lenkt die Aufmerksamkeit auf die stärksten Verkaufsargumente. engelvoelkers

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    Gesprächsführung und Bonität-Überprüfung

    Führen Sie offene Gespräche, um die Prioritäten des Interessenten zu verstehen ("Was ist Ihnen bei einer Immobilie besonders wichtig?"). Kommunizieren Sie Mängel ehrlich – eine arglistige Verschweigung führt zu Haftung bis fünf Jahre nach Verkauf. Bei Privatverkäufen ist die Überprüfung der Zahlungsfähigkeit kritisch; fordern Sie regelmäßig eine Finanzierungszusage von der Bank des Interessenten an, bevor intensive Verhandlungen beginnen. lohnsteuer-kompakt

Kaufvertrag und Notartermin

Rechtscharakter und Notarbeurkundung

Der Kaufvertrag für Immobilien muss notariell beurkundet werden (§ 311b BGB); ohne notarielle Beurkundung ist kein rechtsgültiger Eigentümerwechsel möglich. Der Notar sendet den Vertragsentwurf etwa 2 Wochen vor dem Termin zu, den Sie gründlich prüfen sollten. Am Notartermin selbst sind beide Parteien anwesend mit gültigen Ausweisen und unterschreiben die Urkunde; die Anwesenheit beider Parteien ist zwingende Voraussetzung (Vollmacht möglich). Nach der Beurkundung leitet der Notar die Grundbucheintragung ein. heid-immobilienbewertung

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    Notar sendet Vertragsentwurf etwa 2 Wochen vor dem Termin

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    Gründliche Prüfung des Entwurfs durch beide Parteien

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    Notartermin: Beide Parteien mit gültigen Ausweisen anwesend

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    Unterzeichnung der Urkunde

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    Notar leitet Grundbucheintragung ein

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    Kaufpreis wird auf Notaranderkonto treuhänderisch hinterlegt

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    Verkäufer erhält Kaufgeldzahlung nach erfolgter Grundbucheintragung

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    Schlüsselübergabe nach Kaufpreiseingang

Notargebühren und Kostenberechnung

Die Gebühren für Notar und Grundbuch sind bundeseinheitlich gesetzlich festgelegt und nicht verhandelbar (Gerichts- und Notarkostengesetz). Die Kosten betragen etwa 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises inklusive Umsatzsteuer: homeday

KaufpreisNotargebühren (mit USt.)
250.000 Euroca. 3.500 Euro
400.000 Euroca. 5.500 Euro
500.000 Euroca. 6.100 Euro

Seit Juni 2025 erhöhten sich die Gebühren um 6 bis 9 Prozent (KostBRÄG 2025), was bedeutet, dass Notarkosten bei einem 300.000-Euro-Kauf etwa 300 bis 500 Euro höher liegen als noch 2025. immoverkauf24

Spekulationssteuer: Steuern auf Immobiliengewinne

Die 10-Jahres-Frist als Standardregel

Die Spekulationssteuer ist eine Einkommensteuer auf Veräußerungsgewinne und wird bei Verkauf innerhalb von 10 Jahren nach Kauf fällig. Berechnet wird die Frist ab dem Datum des notariellen Kaufvertrags (nicht ab Übergabe oder Zahlung). Entscheidend: Ein Verkauf am 10. Jahrestag selbst ist noch steuerpflichtig; steuerfrei wird es erst am 11. Jahrestag. Der Gewinn unterliegt dem individuellen Einkommensteuersatz des Verkäufers (19 bis 45 Prozent) zuzüglich Solidaritätszuschlag. steuernsteuern

Beispielrechnung: Haus 2015 für 300.000 Euro gekauft, 2026 für 400.000 Euro verkauft. Gewinn: 100.000 Euro. Bei 40 Prozent Einkommensteuersatz: 40.000 Euro Steuerschuld. praxiswissen-immobilien

Die 3-Jahres-Ausnahme: Eigennutzung

Eine wichtige Ausnahme ist die Eigennutzungsregel: Der Verkauf ist steuerfrei, wenn die Immobilie im Verkaufsjahr plus mindestens 2 volle Kalenderjahre davor selbst bewohnt wurde (§ 23 Abs. 1 EStG). Die praktische "2-Silvester-Regel": Ausreichend ist ein Zeitraum von z.B. 01. Dezember 2022 bis 02. Januar 2025 (deckt drei Jahreswechsel ab). Voraussetzung ist durchgehende Eigennutzung – auch nur tageweise Airbnb-Vermietung disqualifiziert diese Ausnahme. Die Regelung gilt auch für unentgeltlich genutzte Zweit- oder Ferienwohnungen. immobilienscout24

SzenarioSteuerbehandlung
Geerbte ImmobilieHaltefrist des Erblassers wird "mitvererbt" – nicht neu beginnend https://www.certa-gutachten.de/ratgeber/spekulationssteuer-immobilien-erbschaft
Geschenkte Immobilie (>10 Jahre vor Verkauf)Steuerfrei https://www.steuernsteuern.de/blog/artikel/spekulationssteuer-immobilien-10-jahres-frist
Scheidung/TrennungVerkauf der Haushälfte an Ex-Partner = steuerpflichtiges Veräußerungsgeschäft, neuer Zeitpunkt zählt https://www.lohnsteuer-kompakt.de/steuerwissen/immobilienverkauf-der-haushaelfte-nach-trennung-oder-scheidung/
Eigennutzung nachträglich aufgegebenMaximal 2 Jahre nach Aufgabe steuerfrei (z.B. Umzug, dann Vermietung) https://www.steuernsteuern.de/blog/artikel/spekulationssteuer-immobilien-10-jahres-frist
Drei-Objekt-Grenze3+ Objekte in 5 Jahren = Indiz gewerblicher Handel, volle Gewerbesteuer https://www.steuernsteuern.de/blog/artikel/spekulationssteuer-immobilien-10-jahres-frist
Absetzbare Kosten senken die Steuerlast

Der Gewinn errechnet sich aus Verkaufspreis minus Kaufpreis minus abzugsfähige Kosten. Absetzbar sind Maklerprovision, Notargebühren, Inseratkosten und speziell wertsteigernde Sanierungen (z.B. energetische Modernisierung, Dachsanierung) vor dem Verkauf. Diese Kostenberücksichtigung kann die Steuerschuld erheblich senken. steuernsteuern

Vorfälligkeitsentschädigung: Ablösung laufender Darlehen

Berechnung und typische Höhe

Wenn eine Immobilie mit bestehendem Hypothekendarlehen belastet ist, muss dieses vor Eigentümerwechsel abgelöst werden. Die Bank kann eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, die Entschädigung für den verursachten Schaden darstellt. baufi24

Formel

Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) = (Festzins – Wiederanlagezins) × Restlaufzeit (in Jahren) × Darlehenssumme
  1. Vorfälligkeitsentschädigung (VFE): Entschädigung, die bei vorzeitiger Rückzahlung eines Darlehens an die Bank gezahlt werden kann.
  1. Festzins: Vereinbarter Zinssatz im ursprünglichen Darlehensvertrag.
  1. Wiederanlagezins: Aktueller Marktzins, zu dem die Bank das zurückgezahlte Geld neu anlegen kann.
  1. Restlaufzeit (in Jahren): Verbleibende Zeit bis zum Ende der Zinsbindung, angegeben in Jahren.
  1. Darlehenssumme: Noch ausstehende Kreditsumme (Restschuld).

Beispiel:

Darlehen 400.000 € bei 4% Festzins, aktueller Wiederanlagezins 1%, Restlaufzeit 5 Jahre:
VFE = (4% – 1%) × 5 × 400.000 € = 3% × 5 × 400.000 € = 60.000 €

Quelle: immoverkauf24

Das 10-Jahres-Kündigungsrecht ohne Entschädigung

Nach genau 10 Jahren ab der letzten Auszahlung des Darlehens plus 6 Monaten Kündigungsfrist ist eine kostenlose Ablösung ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Beispiel: letzte Darlehenszahlung am 31. August 2016 → Kündigungsmöglichkeit ab 01. September 2026 → Darlehensablösung spätestens 01. März 2027. Diese Regelung ermöglicht es Eigentümern, nach ausreichend langer Darlehenszeit ohne Strafzahlungen verkaufen zu können. finanztip

Regionale Unterschiede: Grunderwerbsteuer und Maklerprovisionen

Grunderwerbsteuer nach Bundesland

Obwohl der Verkäufer die Grunderwerbsteuer nicht zahlt (diese trägt der Käufer), beeinflusst sie die Kaufkraft potenzieller Käufer und damit den erreichbaren Verkaufspreis. Die Sätze variieren deutlich: finanz-tools

BundeslandSatz
Bayern, Sachsen3,5%
Hamburg4,5%
Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, RP, SA5,0%
Berlin, Hessen, M-Vorpommern6,0%
Brandenburg, NRW, Schleswig-Holstein, Saarland6,5%

Die Differenz zwischen Bayern (3,5%) und Nordrhein-Westfalen (6,5%) bedeutet, dass ein Käufer in NRW für eine 400.000-Euro-Immobilie 12.000 Euro mehr Grunderwerbsteuer zahlt – diese Mehrbelastung reduziert seine Kaufkraft. homeday

Maklerprovisionen im Bundesländervergleich

Die Maklerprovision ist frei vereinbar; der Marktstandard beträgt 3,57 Prozent je Partei (also 7,14 Prozent gesamt). Regionale Unterschiede sind gering; in einigen kleineren Bundesländern können höhere Provisionen (bis 7 Prozent) üblich sein. immoverkauf24

Sonderfall: Vermietete Immobilie verkaufen

Das Mietervorkaufsrecht

Ein kritischer rechtlicher Fallstrick beim Verkauf vermieteter Immobilien ist das Mietervorkaufsrecht nach § 577 BGB: Wurde eine vermietete Wohnung erstmals nach Mietbeginn in Wohnungseigentum umgewandelt und wird nun verkauft, hat der Mieter das Recht, die Wohnung zum gleichen Preis wie der externe Käufer zu erwerben. Der Verkäufer ist verpflichtet, den Mieter schriftlich von der Verkaufsabsicht in Kenntnis zu setzen und alle Verkaufsbedingungen offenzulegen. Ein Verstoß gegen diese Mitteilungspflicht kann zu erheblichem Schadensersatz führen. berliner-mieterverein

Marktpreise für vermietete Objekte

Vermietete Immobilien erzielen typischerweise 10 bis 15 Prozent niedrigere Verkaufspreise als freie Objekte, da Käufer Mieterrisiken (Mietnomaden, Instandhaltung) kalkulieren. Die Aussage "Kauf bricht nicht Miete" bedeutet, dass der neue Eigentümer in alle bestehenden Mietverträge eintritt. dejure

Sonderfall: Scheidung und Trennung

Rechtliche Situation und Verkauf

Im Standardfall der Zugewinngemeinschaft (ohne notariellen Ehevertrag) sind beide Partner Miteigentümer und beide müssen dem Verkauf zustimmen. Ohne Einigung bleibt als Notlösung die Teilungsversteigerung, die Kosten verursacht und typischerweise zu Preisen führt, die 20 bis 30 Prozent unter dem Marktwert liegen. Eine gemeinsame Verkaufsabsprache ist wirtschaftlich deutlich vorteilhafter. immoverkauf24

Steuerliche Fallstricke bei Scheidungsverkäufen

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Spekulationssteuer im Scheidungsfall: Wurde die Immobilie gemeinsam bewohnt und ist nun für die Scheidung eine Haushälfte an den Ex-Partner zu übertragen, kann der Anteilsverkauf als steuerpflichtiges Veräußerungsgeschäft qualifiziert werden. Das Bundesfinanzhofurteil von 2023 stellt klar, dass ein neuer Verkaufszeitpunkt bei dieser Konstellation zählt. Strategie: Ein Verkauf während des Trennungsjahrs (vor finaler Scheidung) kann steuerlich günstiger sein. rogers-immobilien

Sonderfall: Geerbte Immobilie

Spekulationssteuer und Haltefrist bei Erbschaft

Ein zentrales Privileg bei geerbten Immobilien ist, dass die Haltefrist des Erblassers "mitvererbt" wird – sie beginnt nicht neu. Hat der Erblasser die Immobilie vor 10+ Jahren gekauft, ist der Verkauf durch den Erben steuerfrei, unabhängig davon, wann der Erbe selbst verkauft. Diese Regelung begünstigt Erben wirtschaftlich erheblich. certa-gutachten

Erbengemeinschaft und Verkaufsbeschränkungen

Ist die Immobilie an mehrere Erben übergegangen, ist Einstimmigkeit aller Erben für einen Verkauf erforderlich. Bei Uneinigkeit bleibt nur die kostspielige Teilungsversteigerung oder ein Erbe kauft die Anteile der anderen (unter fair bewerteten Konditionen). Empfehlung: Frühe Klärung und Regelung der Erbengemeinschaft, bevor emotionale Konflikte entstehen. certa-gutachten

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Quellen

Häufige Fragen zum Thema Immobilie verkaufen